Abtauchen & Auftauchen

Eine bespielte Unterwasser-Installation auf der Unterbühne der Münchner Kammerspiele von Verena Regensburger

Kapitel 1: Für Junge und Junggebliebene (ab 6 Jahren)
Ein Regenbogenfisch / Zwei Oktopusse
nach Marcus Pfister

Zwei Tintenfische schwimmen in der Tiefsee. Ihnen ist wahnsinnig langweilig. Während sie versuchen, sich die Zeit zu vertreiben, entdecken sie plötzlich am Meeresboden eine ungewöhnliche Flasche. Was sie in der Flasche finden ist die Geschichte vom „Regenbogenfisch“.
Der Regenbogenfisch ist mit seinem schillernden Schuppenkleid der allerschönste Fisch im Ozean. Auf sein Äußeres ist er sehr stolz. Doch seine Eitelkeit und Arroganz machen ihn mit der Zeit immer einsamer. Durch den Rat des weisen Tintenfisches Oktopus wird dem Regenbogenfisch klar, dass seine schimmernden Regenbogenschuppen ihn allein nicht glücklich machen. Wahre Freunde sind nicht durch äußere Schönheit zu gewinnen. Deshalb überwindet er seinen falschen Stolz. Er verteilt seine einzigartigen Schuppen großzügig an die anderen Meeresbewohner*innen und bereitet dadurch allen, vor allem aber sich selbst, große Freude. Von da an ist der Regenbogenfisch glücklich und vergnügt sich mit seinen neu gewonnenen Freund*innen.
Den beiden wandelbaren Oktopussen ist diese Art von oberflächlichen Äußerlichkeiten fremd. Sie spielen mit ihrem Aussehen, ändern Farben und Formen ihres Körpers und drücken darüber ihre Gefühle aus, sie kommunizieren und zeigen sich dabei als selbstbewusste Individuen — sie können in einer bunten, vielfältigen Welt alles sein.


Kapitel 2: Für Erwachsene und Wachsende
Vampyroteuthis infernalis
Selbstbetrachtung durch einen Oktopus

nach Vilém Flusser

In Dunkelheit gehüllt, führt eine audio(-visuelle) Installation hinab in die Tiefsee. Wir begeben uns in das Reich des Vampyroteuthis infernalis, einem bis zu 20 Meter großen Oktopus. Wir lernen ein faszinierendes Tier kennen — das seine Haut verfärben, sich selbst transparent machen, Gift versprühen, das Sepia mit seinen Tentakeln zu Portraits modellieren kann und die Fähigkeit besitzt, seine Umwelt mit eigenen Beleuchtungsorganen wahrnehmbar zu machen.

Leben wir, der Mensch und der Vampyroteuthis infernalis, auch an diametral gegenüberliegenden Orten, teilen wir doch das gleiche tiefgründige Gedächtnis. Denn in der Geschichte der Evolution trennten sich beider Wege erst relativ spät, als der Mensch sich “entschloss“, vom Strand aufs Festland und Vampyroteuthis in die Meerestiefen vorzustoßen. Wir würden von dem in der Tiefe herrschenden Druck zerschmettert und er an der Luft, die wir atmen, ersticken. Aber trotz oder gerade wegen der Distanz lässt sich die Grundstruktur unseres eigenen Daseins und daher ein Teil unseres Selbst in ihm wiedererkennen.
Sich durch die Augen eines anderen zu betrachten, kann helfen, mehr über sich selbst zu erfahren. Was hier beabsichtigt wird, ist keine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem besonderen Bewohner der Tiefsee und uns Menschen, vielmehr handelt es sich um eine Fabel. Der Mensch in seinem Wirbeltierdasein soll vom Standpunkt eines Weichtieres aus betrachtet werden. So lassen sich in den Abgründen der Ozeane die eigenen nach außen kehren. Es werden Fragen evoziert, die zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstbild einladen: Was macht den Menschen zu einem Homo sapiens infernalis? Wo zeigt uns Vampyroteuthis infernalis nicht nur seine namensgebende Scheußlichkeit? Und wie kann er uns mit seiner Lebensweise als philosophische Inspiration dienen?

Mit— Sebastian Brandes, Walter Hess
Inszenierung— Verena Regensburger
Bühne— Marie Häusner
Kostüme— Melina Poppe
Musik— Paddy Steer
Dramaturgie Kapitel 1— Rania Mleihi
Dramaturgie Kapitel 2— Gwendolin Lehnerer
Regieassistenz— Ayşe Güvendiren
Bühnenbild- u. Kostümassistenz— Leonard Mandl
Produktionshospitanz— Agnes Pfeiffer
Produktionsleitung Technik— Hanna Kriegleder
Produktionsleitung Kunst— Gina Penzkofer
Regiehospitanz— Suvi Schrank