Gesellschaftsspiele: The Art of Assembly

Florian Malzacher im Gespräch mit Oliver Ressler und Julia Ramirez-Blanco
(in englischer Sprache)

Die weltweiten sozialen Bewegungen der letzten Jahre waren immer geprägt von der Suche nach alternativen Formen des Versammelns, des Argumentierens und Entscheidens, des Aushandelns von Gemeinschaft und Gesellschaft. Solche Versammlungen wirken nicht nur durch ihre Forderungen. Sie verändern die Realität oft bereits dadurch, dass sie radikalere Modelle von Demokratie praktizieren.

Doch welche Zukunft hat die Idee der Versammlung nach Monaten eines Ausnahmezustands, der so ziemlich alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens aus dem Takt gebracht hat? Gesellschaftsspiele: The Art of Assembly bringt Protagonisten aus verschiedenen Bereichen der Kunst, Politik und Theorie zusammen, um über die Zukunft der Versammlung zu spekulieren – in einer Zeit, in der wir gelernt haben, wie flüchtig Gewissheiten sein können und in der jede Form des physischen Miteinanders prekär geworden ist.

In einer neuen Gesprächsreihe fragt der Kurator und Autor Florian Malzacher gemeinsam mit Gästen aus Kunst, Politik und Theorie nach dem Potenzial der Versammlung: Wie kann politisches Theater ein Ort sein, an dem radikale Vorstellungskraft und pragmatische Utopien entstehen?

The Art of Assembly – Gesellschaftsspiele ist eine Reihe kuratiert von Florian Malzacher und produziert von brut Wien, in Kooperation mit den Münchner Kammerspielen und den Wiener Festwochen.

Florian Malzacher ist freier Kurator, Dramaturg und Autor. 2012 - 2017 war er Künstlerischer Leiter des Impulse Theater Festivals (Düsseldorf, Köln und Mülheim/Ruhr), davor sieben Jahre Leitender Dramaturg/Kurator des Festivals steirischer herbst (Graz). Er (ko)kuratierte u. a. die Internationalen Sommerakademie (Mousonturm Frankfurt, 2002 & 2004), “Dictionary of War” (2006/07), „Truth is Concrete“ in Graz (2012), „Aneignungen“ im Ethnologischen Museum Berlin/Humboldt Lab (2015), „ Artist Organisations International “ (HAU Berlin, 2015), „Vom Möglichkeitssinn“ zum Jahrestag der Russischen Revolution (St. Petersburg, 2017), “ Training for the Future ” (mit Jonas Staal, Ruhrtriennale 2018/19), und „ Nach dem Beaufsichtigen der Maschinen “ (2020). Als Dramaturg arbeitete er u.a. mit Rimini Protokoll, Lola Arias (ARG), Mariano Pensotti (ARG) oder Nature Theater of Oklahoma (USA). Florian Malzacher ist Herausgeber und Autor zahlreicher Essays und Bücher zu Theater und Performance, sowie zum Verhältnis von Kunst und Politik. Zuletzt erschien 2020 sein Buch „ Gesellschaftsspiele. Politisches Theater heute “ im Alexander Verlag Berlin. https://florianmalzacher.tumblr.com

Florian Malzacher im Deutschlandfunk Kultur Interview: Per Zoom über Versammlungen reden
Die Website mit allen gesammelten Materialien: https://art-of-assembly.net/

Zitate
"Es ist wichtig, dass wir als Körper – als die körperlichen Wesen, die wir sind – zusammen in der Öffentlichkeit auftreten, dass wir uns in der Öffentlichkeit versammeln. Wir kommen zusammen auf den Straßen und Plätzen als eine Allianz der Körper. […] Das ist das, was hier passiert, eine Politik des öffentlichen Körpers, der Bedürfnisse des Körpers, seiner Bewegungen und seiner Stimme. […] Wir sitzen und stehen, wir bewegen uns und wir sprechen, so wie es unseren Möglichkeiten entspricht, als Wille des Volkes, den die Wahldemokratie vergessen und im Stich gelassen hat. Aber wir sind hier. Und wir bleiben hier und füllen die Formel „We, the people“ mit Leben." Judith Butler, Occupy Wall Street, 2011


Veranstaltungen

20.03.2021
Gesellschaftsspiele: Art of Assembly III. Assemblism
mit Jodi Dean & Jonas Staal, von Florian Malzacher moderiert

19.02.2021
Gesellschaftsspiele: The Art of Assembly II. The Assembly as the Backbone of Social Movements
mit Oliver Ressler (bildender Künstler & Filmemacher, Wien) und Julia Ramírez-Blanco (Kunstwissenschaftlerin, Barcelona)

Diese Veranstaltung findet im Rahmen der gemeinsame Aktion "Theater als Ort demokratischer Versammlung" mit der MVHS und RePairDemocracy im Rahmen der Digitalen Akademie What is the City? statt.

23.01.2021, 19:00
Gesellschaftsspiele: The Art of Assembly I. Versammlung als Preenactment

mit Oliver Marchart (politischer Philosoph & Soziologe, Wien), Dana Yahalomi (Leiterin des Performancekollektivs Public Movement, Tel Aviv)

Aufzeichnung der Veranstaltung als Podcast: The Art of Assembly I. Assembly as a pre-enactment

Können politische oder künstlerische Versammlungen Proben für eine unvorhersehbare Zukunft sein? Die Choreographin und Künstlerin Dana Yahalomi /Public Movement (Tel Aviv) und der politische Theoretiker Oliver Marchart (Wien) sind dieser Meinung. Mit dem Begriff „Preenactment“ beschreiben sie die künstlerische Antizipation politischer Ereignisse.

Dana Yahalomi (Tel Aviv) ist Direktorin von Public Movement (gemeinsam mit Omer Krieger gegründet), einer performativen Forschungseinrichtung, die politische Aktionen im öffentlichen Raum untersucht und inszeniert. Die Gruppe studiert und erstellt öffentliche Choreografien, Formen sozialer Ordnung, offene und verdeckte Rituale. Zu den jüngsten Auftritten gehören: MAXXI Rom, Öffentliche Kunstagentur Schweden, Stockholm, Museo Novecento, Florenz, CCA Tel Aviv, Tel Aviv, Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Göteborg Biennale, Schweden, Tel Aviv Kunstmuseum, Tel Aviv.

Oliver Marchart ist Philosoph und seit 2016 Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Er leitete das Projekt Making Democracy. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Demokratietheorie, politische Ideengeschichte, Soziale Bewegungsforschung, politische Diskursanalyse und Populismus.