Habibi Goethe - Eine performativ-internationale Diskussionsreihe

Von und mit dem Goethe-Institut
Moderation: Rania Mleihi

Veranstaltungstext: 1. Folge, Habibi Goethe
Über die Stadtgrenzen hinaus und wieder zurück möchte Habibi Goethe Orte und Regionen erkunden, an denen Grenzen ineinanderfließen und Lebensgeschichten zusammentreffen. Der Blick in die Welt will die Tür des Kiosks für Menschen öffnen, die andere Perspektiven hineintragen und die es uns ermöglichen, Themen neu zu betrachten. Mit Habibi Goethe soll ein Raum für Begegnungen entstehen und möglicherweise Fäden in Beziehungen neu eingezogen werden. An Hand persönlicher Biografien wollen wir dabei den Fragen nachgehen, wie sich künstlerische Stimmen andernorts ausdrücken, auf welche Weise sie sichtbar werden, wie sie zusammenkommen und Allianzen bilden, aber auch welchen Widerständen sie ausgesetzt sind. Immer beschäftigt uns die Frage, wie es um den Zugang zu Kulturorten für bestimmte Communities bestellt ist.

Die erste Folge Habibi Goethe reist von München über Athen nach Caracas. Wir begegnen Menschen, die es an Orte zieht, aber auch Menschen, die ihre Städte verlassen haben. Im Zusammenspiel aus Gespräch und künstlerischen Beiträgen werden sowohl KünstlerInnen aus den drei Städten als auch KulturmittlerInnen der Goethe-Institute Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Verbindungslinien zwischen den jeweiligen Orten aufspüren.

Teilnehmer*innen: Rania Mleihi (Moderation), Stephanie Maiwald (Institutsleiterin Goethe-Institut Caracas), Stefanie Peter (Programmleiterin der Region, Goethe-Institut Athen), Malu Valerio (Künstlerin und Aktivistin, Caracas), Diana Rangel (Künstlerin und Psychologin, Barcelona), Adamantios Kafetzis (Teranga Beat, Athen), Voltnoi Berge und Makis Kentepozidis (Movement Radio, Athen)

Biografien:
Malu Valerio hat ihr Studium mit einem Diplom in zeitgenössischer Kunst abgeschlossen und an Residenzenprogrammen wie "Lugar a dudas" in Cali (Kolumbien) und "Macolla Creativa" in Caracas (Venezuela) teilgenommen. 2019 wurde ihr der Eugenio Mendoza Award der Sala Mendoza Foundation verliehen. Derzeit lebt und arbeitet Malu Valerio in Caracas, wo sie ihre Rolle als Künstlerin mit der als Aktivistin (und “Artivistin”) für Frauenrechte (wie bei der Organisation @sobrepasadas) verknüpft. Aus der Gender-Perspektive beschäftigt sie sich mit Fragen zu Vertreibung, moderner Sklaverei und den verschiedenen Formen von Segregation. Unter Einbezug von Textilien als ästhetisches Mittel prägen diese Themen auch ihre künstlerische Arbeit.
Instagram: @ maluvaleri

Diana Rangel ist Künstlerin und Psychologin aus Barcelona. Gegenwärtig koordiniert sie das Projekt „Voz en transito“ – eine Plattform für den Austausch de-lokalisierter Gemeinschaften. Projektpartner ist das Colectivo Voces Migrantes, das seit 2018 mit Migrantengemeinschaften in drei Ländern (Peru, Argentinien, Ecuador) zusammenarbeitet. Bei „Voz en transito“ handelt es sich um einen virtuellen Raum, in dem die Ideen des erweiterten Zuhörens in eine gelebte Praxis übersetzt werden sollen. Auf der Basis experimenteller Austauschformen via WhatsApp und virtuellen Meetings entstehen Hörkarten, Klangkapseln und kollaborative Dokumentarfilme. Seine konzeptionellen Grundlagen liegen dabei im Bereich der bildenden Kunst und der Psychologie.
Instagam: @ dianarangel

Stephanie Maiwald ist in Frankfurt/Main und Zürich aufgewachsen und leitet das Goethe-Institut in Caracas. Sie ist Kulturwissenschaftlerin und überzeugt davon, dass man individuelle Geschichten sichtbar machen muss, um gemeinsam Geschichte zu schreiben. Nach mehreren beruflichen Stationen bei einer Berliner Stiftung, bei der Schweizerischen Botschaft in Berlin sowie der Kulturförderung in der Schweiz, ist sie beim Goethe-Institut gelandet. Venezuela ist ihr erster Auslandsposten; an Südamerika hatte sie bereits weit davor auf zahlreichen Reisen ihr Herz verloren. Sie ist außerdem Mitgründerin der Initiative 3te Generation Ostdeutschland und perspektive hoch 3, wo sie sich mit ostdeutschen Identitäten auseinandersetzt.

DETACH bezeichnet ein in Athen ansässiges Künstler- und Kuratoren-Duo bestehend aus Voltnoi Berge und Makis Kentepozidis alias Quetempo. Beide sind Gründungsmitglieder des drog_A_tek-Kollektivs und des Community Radios „Movement.Radio“. Darüber hinaus haben sie Festivals und Veranstaltungen wie „Enter Afrofuturism “, „Blockchain: Utopia or U–turn? “, „The Death of Recorded Music “, „Movement 1920-2020 “ und „Beyond & Between Borders “ kuratiert. In kritischer Auseinandersetzung mit den sozio-ökonomischen Bedingungen versuchen sie in ihrer künstlerischen und kuratorischen Arbeit immer wieder unterschiedliche Formen gesellschaftlicher Diskriminierung von Klasse, Geschlecht, Herkunft und Hautfarbe sichtbar zu machen.
https://www.onassis.org/people/detach
http://www.movement.radio/

Movement.radio ist ein Radio, das sich als Treffpunkt von diversen und kreativen Communities in Athen versteht und damit ein fruchtbares Feld für gemeinsames Handeln und Zusammenleben bildet. Kuratiert von DETACH und produziert von einem internationalen Team, sendet es 24 Stunden täglich, an sieben Tagen der Woche. Mit dabei sind Optimo, Moor Mother, Alan Bishop, Christopher C. King, Black Athena, Carina und viele mehr. Das Hauptaugenmerk des Senders liegt auf der lebhaften griechischen DJ-, Hip-Hop- und Electronic-Szene sowie hybriden Stilen aus allen Teilen der Welt, mit Schwerpunkt auf dem Mittelmeerraum.
Adamantios Kafetzis ist bildender Künstler, DJ und Inhaber des 2010 in Dakar gegründeten Labels Teranga Beat. In seiner Rolle als bildender Künstler geht es ihm nicht nur um die Musikproduktion, sondern auch um das Illustrieren von Plattencovern und die künstlerische Gestaltung von Linernotes, die mittels Fotografie und Interviewmaterial Geschichten über die jeweiligen KünstlerInnnen erzählen. Teranga Beats veröffentlichte bisher Singles und Alben von Gruppen aus dem Senegal, Gambia, Äthiopien und Griechenland. Das jüngste Projekt „Ormenion“ ist eine Zusammenarbeit mit der Gruppe Evritiki Zygia, die im Rahmen der Athen Music Week auftreten wird.
https://terangabeat.bandcamp.com/

Stefanie Peter ist Ethnologin. Sie promovierte an der Europa-Universität Viadrina und schrieb für Zeitschriften und Zeitungen, insbesondere die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Seit 2007 arbeitet sie für das Goethe-Institut mit Stationen in Warschau, München und Nowosibirsk, wo sie das Institut geleitet hat. Seit 2019 ist sie Programmleiterin der Region Südosteuropa am Goethe-Institut Athen.