Campus #2

„Folgen kolonialer Ausbeutungen auf die heutige wirtschaftliche Lage in Westafrika“
Ein Gespräch mit Kontroversen zwischen Hamado Dipama und Francisco Marí

Hamado Dipama (Referent für Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit AGABY, Migrationsbeirat LH München) und Francisco Marí (Referent Welternährung, Agrarhandel, Meerespolitik Brot für die Welt) diskutieren über die Frage der Ausweglosigkeit in Bezug auf postkoloniale Abhängigkeiten, aber auch über die möglichen Chancen auf Veränderung. Das Publikum ist eingeladen mit zu diskutieren. Klicken Sie dazu bitte auf den folgenden Zoom-Link: https://muenchner-kammerspiele-de.zoom.us/j/91513514706

Die Staaten in Westafrika sind seit über 60 Jahren "unabhängig" und bilden eine politische und wirtschaftliche Gemeinschaft (ECOWAS). Dennoch sind die Spuren ihrer gemeinsam erlittenen kolonialen Ausbeutung in vielen Bereichen noch heute spürbar. Das gilt besonders für die wirtschaftlichen Entwicklungen. Deutlich wird das am Beispiel der fortbestehenden Kolonialwährung (F.CFA), die in den meisten sogenannten „frankophonen“ Staaten noch immer gilt. Auch die Ausrichtung der Infrastruktur und der umstrittene Umgang mit eigenen Rohstoffen sind Zeichen postkolonialer Abhängigkeiten.
Nigeria zum Beispiel importiert Benzin und Plastik aus eigenem Rohöl aus Europa. Ghana importiert Röstkaffee sowie Schokolade aus eigenen Kakao- oder Kaffeebohnen…
Damit diese Abhängigkeiten erhalten bleiben, schließt die EU Handelsabkommen mit Westafrika ab, die den EU-Konzernen günstige Einfuhrzölle garantieren. Im Tausch erhalten die afrikanischen Staaten EU-"Entwicklungshilfen", die diese postkolonialen Abhängigkeitsstrukturen langfristig zementieren.

Um diese Situation zu verändern gab und gibt es vehementen Widerstand, ausgehend von Initiativen aus den Ländern Westafrikas. Ein Beispiel ist die Revolution von Thomas Sankara in den 80er Jahren in Burkina Faso - die heute ihre Früchte trägt. Er hatte sich dafür eingesetzt auf die eigenen Stärken zu bauen und nicht wie der zeitgleich amtierende Diktator Eyadema in Togo auf internationale Investoren zu hoffen, wie seiner Zeit zum Beispiel die Rosenheimer Fleischfabrikkette Marox, die bis heute im Zentrum Lomés vertreten ist.

Über die Frage der Ausweglosigkeit in Bezug auf postkoloniale Abhängigkeiten, aber auch über die möglichen Chancen auf Veränderung, werden sich an diesem Abend Hamado Dipama und Francisco Marí aus ihren unterschiedlichen Blickwinkeln austauschen. Das Publikum ist herzlich eingeladen mit zu diskutieren.

Hamado Dipama ist 2002 aus Burkina Faso als Geflüchteter nach Deutschland gekommen und lebte neun Jahre lang mit dem Status der Duldung. Seit 2007 ist er Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats und engagiert sich auf vielfältige Weise politisch für die Belange von Geflüchteten und Migrant*innen, insbesondere für Menschen mit afrikanischer Herkunft in Deutschland. Er ist Gründer des Arbeitskreis Panafrikanismus München e.V., sowie Mitbegründer des Zentralrats der afrikanischen Gemeinde in Deutschland. Seit 2010 ist er Teil des Migrationsbeirats der LH München. Dipama war von 2011 bis 2019 im Vorstand des Dachverbands der Migrationsbeiräte in Bayern - Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns (AGABY) tätig, und ist seit 2019 deren Referent für Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit. Seit 2011 ist er Delegierter des Landes Bayern im Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat und seit 2017 Mitglied im bayerischen Rundfunkrat.

Francisco J. Marí ist seit 2009 Projektreferent für Lobby- und Anwaltschaftsarbeit in den Bereichen Welternährung, Agrarhandel und Meerespolitik bei Brot für die Welt im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung. Seine Schwerpunkte sind Ernährungssicherheit, handwerkliche Fischerei, WTO, Handels- und Fischereiabkommen EU-Afrika, Tiefseebergbau und Wirkungen von Lebensmittelstandards auf Kleinerzeuger*innen. Francisco Marí vertritt Brot für die Welt im Vorstand des EU Ausschusses für Belange der Fernfangflotten (LDAC), im Vorstand der Fischereitransparenzinitiative (FiTi), im Beirat der Koalition für Faire Fischereiabkommen (CFFA) und ist Delegierter beim Internationalen Rat des Weltsozialforums.
Buchveröffentlichungen: „Das Globale Huhn“(2008), „The Future of Food (Hrsg. 2013), Die Zitadelle (Co-Autor, 2014), „Gutes Essen-Arme Erzeuger-Wie die Agrarwirtschaft mit Standards die Nahrungsmärkte beherrscht“ (2017)