Studio Ö - ​Akkordarbeit im halbverbrannten Wald

Lecture Performance von Nesrin Tanç & Freund*innen
Konzept/Kuration/Gastgeberinnenschaft: Tunay Önder

Im Jahr 2018 initiierte Tunay Önder das Studio Ö im Münchner Kulturhaus Bellevue di Monaco als Forum für künstlerisch-aktivistische Positionen, die die gesellschaftliche Pluralisierung und Gleichberechtigung auf unterschiedliche Weise vorantreiben. Das Studio Ö gestaltete sich zu einem performativen Spielraum, einem lebendigem Archiv, einer Teetrinkhalle und einem Treffpunkt für Münchner*innen, die sich als Teil einer postkolonialen Migrationsgesellschaft verstehen. An den Münchner Kammerspielen schlägt das Studio Ö – zunächst als digitales Format – seine Zelte auf. Hier lädt Tunay Önder Künstler*innen ein, die mit ihrer Arbeit bestehende Dominanzverhältnisse verschieben und das kollektive Gedächtnis der Gesellschaft mit allen Mitteln der Kunst erweitern: Reading oder Lecture Performances, Rituale und Rundgänge, Szenische Lesungen mit Videoscreenings. Gemeinsam mit den Gästen und bei frisch gebrühtem Çay entsteht ein Raum, in dem künstlerische Arbeiten und emanzipatorische Kämpfe ineinanderfließen, sich verdichten und gegenseitig verstärken.

Konzept/Kuration/Gastgeberinnenschaft: Tunay Önder
Künstler*innen/Gäste: Esther Dischereit, Nesrin Tanç, Gürsoy Doğtaş

Akkordarbeit im halbverbrannten Wald
Lecture Performance von Nesrin Tanç & Freund*innen
In ihrer Lecture Performance Akkordarbeit im halbverbrannten Wald collagiert Nesrin Tanç ihre wissenschaftlichen und poetischen Texte zu einer vielstimmigen Erzählung, die den blinden Flecken in der Literatur- und Kulturgeschichte der Bundesrepublik ab den 1960er Jahren nachspürt. Fragen nach der Verantwortung staatlicher Archive in einer pluralen Gesellschaft und Fakten aus der wissenschaftlichen Forschung vermischen sich mit intimen Monologen und Dialogen, in denen das lyrische Ich zwischen wissenschaftlicher Sorgfalt und künstlerischer Ausdrucksfreiheit oszilliert. Texte von Fakir Baykurt aus dem Ruhrgebiet der 1980er-Jahre begleiten Tanç dabei ebenso wie Emine Sevgi Özdamars Stück Perikızı: Ein Traumspiel. Akkordarbeit im halb verbrannten Wald ist der Titel des fünften Kapitels von Özdamars Adaption von Homers Odyssee, das sie im Auftrag von Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 verfasst hatte.

Nesrin Tanç ist freischaffende Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Archivarin, mit besonderem Fokus auf die Arbeit von Literat*innen, die in den 1970er- bis 1990er-Jahren aus der Türkei, Anatolien oder Mesopotamien nach Deutschland und insbesondere ins Ruhrgebiet emigriert sind. Sie ist Begründerin der Plattformen Agentur Ausländerrauş (lies: Ausländerrausch) und Anatolpolitan, die sich der Erweiterung von Archiven und Programminhalten widmen, um die Erinnerung an das literarische Erbe der Einwander*innen am Leben zu halten und zu kultivieren.

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