Tage der Jüdisch-Muslimischen Leitkultur

Dezentraler Kongress

Im Herbst jährt sich die deutsche Wiedervereinigung zum 30. Mal. Dem Bild einer harmonischen »deutschen Einheit« setzt der Autor Max Czollek die provokative Behauptung einer »Jüdisch-Muslimischen Leitkultur« entgegen, die zu einer anderen Erzählung deutscher Geschichte und Gesellschaft einlädt: Denn die Realität vieler Jüdinnen und Juden, Afrodeutscher und Personen of Color, Muslim*innen oder sogenannter Gastarbeiter*innen passt oft nicht in das ethnozentrische Erinnerungsnarrativ des vereinten deutschen Volkes. Für sie bedeutete die Vereinigung der beiden Deutschlands auch eine Zunahme rechter Gewalt. Ihre vergangenen und gegenwärtigen Perspektiven finden in der Erinnerungskultur entweder gar keinen Platz, oder sie sind aufgefordert, im deutschen Gedächtnis- und Integrationstheater die immer gleiche Inszenierung nachzuspielen. Die TAGE DER JÜDISCH-MUSLIMISCHEN LEITKULTUR lenken als dezentraler Kongress in dreizehn Städten, mit gut zwanzig Kooperationspartner*innen in über vierzig Veranstaltungen den Blick auf die radikale künstlerische und gesellschaftliche Vielfalt, die schon längst eine deutsche Realität ist.

Das Projekt Tage der Jüdisch-Muslimischen Leitkultur befindet sich in Trägerschaft der Leo Baeck Foundation und wird von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Allianz Kulturstiftung gefördert. Deutschlandfunk Kultur ist Medienpartner der Veranstaltungsreihe.






Die folgenden Veranstaltungen finden im Rahmen der Tage der Jüdisch-Muslimischen Leitkultur statt

Unterm selben Regenbogen. Jüdisch/Queer, Queer/Muslimisch

15 Uhr Werkraum

Homosexuell, aber gottesfürchtig? Transgender und bibelfest? Queer oder fromm? Ob Jude, Moslem oder Christ - wir alle stehen unter dem selben Regenbogen. Doch wie stehen die muslimische und jüdische Gemeinschaft in Deutschland tatsächlich zu seinen LGBTQ Anhängern? Ob nun ein Moslem oder ein Jude – mit was müssen sich LGBTQ Communitys in religiösen Gesellschaften auseinandersetzen?


Über das und vieles mehr sprechen, Rabbiner Steven Langnas (Israelitischen Kultus Gemeinde München & Oberbayern), Theologe Dr. Ali Ghandour, Muslimische Aktivist/in mit Schwerpunkt Rassismus, Ahmed Sadkhan (Queer Muslim und “Selflove”-Content-Creator und -Coach) und Dima Bilyarchyk (Vertreter der jüdischen LGBTQ -Community „Keshet Deutschland").


Moderation: Sapir von Abel (MA Interkulturellen Kommunikation) & Hannan Salamat (Kultur- und Religionswissenschaftlerin)


Veranstalter: AusARTen - Perspektivwechsel Durch Kunst, in Kooperation mit: Keshet Deutschland e.V., AIWG - Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft, Moishe House München, VJSB - Verband Jüdischer Studenten in Bayern

Preis: 15 Euro


Unsere Stadt aus Vogelaugen / Eine Gegenwartsbewältigung im Dunkeln

17 Uhr Schauspielhaus

Leseperformance von Sivan Ben Yishai, dem Elektroduo HYENAZ und Max Czollek
Am 3. Oktober 1938, nur kurz vor der Progromnacht, verfügte die Stadt Dortmund den Abriss der Großen Synagoge. Diese Anordnung wurde im Dezember 1938 umgesetzt. In einer besonderen Zusammenarbeit mit dem Elektroduo HYENAZ stellt die Schriftstellerin Sivan Ben Yishai ihren Text: "Unsere Stadt aus Vogelaugen/ Eine Blutung im Dunkeln" vor. Die performative, musikalische Lesung ist auch eine Meditation über die 35 Tage der Reue, die zwischen dem 3. Oktober und dem 9. November liegen. Im Anschluss liest Max Czollek Passagen aus seinem neu erschienenen Essayband „Gegenwartsbewältigung" (Carl Hanser Verlag, 2020), welches auch von der Jüdisch-Muslimischen Leitkultur als künstlerischer Vision einer Gesellschaft der radikalen Vielfalt handelt.


19 Uhr - 20:30 Uhr (direkt im Anschluss an die Leseperformance)

Ästhetische Praxis, Stadtgesellschaft und Radikale Vielfalt
Diskussionspanel mit Sandrine Kunis, Sivan Ben Yishai, Erkan Inan, Max Czollek und Publikum
Die Bevölkerung Münchens besteht zu mehr als 43% aus Menschen mit Migrationshintergrund. Welche Konsequenzen hat das für ein Nachdenken über die Stadtgesellschaft? Und welche Rolle können Kunst und Kulturinstitutionen bei einer Suche nach anderen Narrativen und Konzepten spielen? Es diskutieren Sandrine Kunis (Institut Social Justice und Diversity, München), Sivan Ben Yishai (Dramatikerin), Erkan Inan (Ausarten Festival, München) und Max Czollek (Kurator der Tage der Jüdisch-Muslimischen Leitkultur). Außerdem ist das Publikum dazu eingeladen, sich am Gespräch zu beteiligen.

Preise: 15 und 10 Euro