The Shire

Anduril, Palantir und die „Virtual Border Wall“: Patriotismus im Silicon Valley und das verschwommene Verhältnis von Popkultur und Ideologie
Videoinstallation von Luis Krawen

„The Shire”, zu Deutsch: das Auenland, ist die Heimat der Hobbits in J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe". Anduril, die Flamme des Westens, ist das Schwert, mit dem Aragorn in den Kampf gegen das Böse zieht. In den Kampf gegen das Böse ziehen möchte auch Palmer Luckey, Ex-CEO des an Facebook verkauften VR-Brillen-Herstellers Oculus Rift. Anduril Industries nennt er sein 2016 gegründetes Start-up, das US-amerikanisches Militär und Polizeibehörden mit neuesten, KI-gestützten Lösungen im Kampf gegen illegale Migration an der mexikanischen Grenze unterstützen soll. Technologisches Silicon-Valley-A-Game mit klaren Fronten.

Hier zeichnet sich das Bild einer Silicon-Valley-Strömung ab, die sich offen patriotisch positioniert: In einem Netz aus personellen Überschneidungen zu Palantir, dem ideologischen Bruder von Anduril, und anderen Unicorn-Start-ups, Querverbindungen in die Alt-Right-Szene, einem alles verbindenden Kapitalfluss – und einer Verschiebung firmenidentiätsstrukturierender Narrative in Richtung Popkultur, durch Aneignung der Mythologie des „Herr-der-Ringe”-Universums.

Was bedeutet diese Form der Rückübersetzung des Virtuellen in die Realität für unser Verständnis von Virtual Reality? Und was die nicht-architektonische Regulierung von Raum für eine Gesellschaft?

MK-Artist in Residence Luis August Krawen stellt eine Gartenlaube in den Charlottenhof der Kammerspiele, eine einzeln begehbare Video-Installation. Er untersucht die Dynamiken dieser Entwicklung unter Rückgriff auf die von Palantir & Anduril geprägte Metaphorik von „The Shire“ als ultimative Heimatphantasie.

Eintritt frei